Gründungsjahre

Im Jahre 1923 – die Geldentwertung stand in ihrer höchsten Blüte, die Inflation mit all ihren Nachkriegsauswirkungen ließen den grausamen Weltkrieg nicht vergessen –, am 26. Februar, wurde der erste Angelsportverein in Lüneburg gegründet.


Sechs bei der Stadtverwaltung Lüneburg beschäftigte Freunde des Angelsports hatten durch eine Anzeige in den „Lüneburg’schen Anzeigen“ die Angler unserer Stadt zur Gründungsversammlung eines Angelvereins am Montag, dem 26.2.1923, 20.30 Uhr, in der Ratsschenke (Gastwirt Meicher), Am Markt (heute Stadtsparkasse), eingeladen. Von 12 hier erschienenen Angelfreunden wurde nach Absprachen über den Zweck, die Aufgaben und die Ziele eines Angelvereins die Gründung einstimmig beschlossen.

 

Unter dem Namen „Lüneburger Angelsportverein von 1923“ wurde der Verein ins Leben gerufen. Der vorläufige Vorstand wurde mit Willi Rieckhoff (1. Vorsitzender), Gisbert Höffgen (2. Vorsitzender), Johannes Lüchow (Schriftführer) und Ernst Rademacher (Kassierer) gewählt. Eine vorgenommene freiwillige Sammlung erbrachte den Betrag von 4.700,-- Mark, der als Grundstock auf das Sparkonto bei der Städt. Sparkasse Lüneburg gelegt wurde. Für die erste Versammlung wurde der 5. März 1923, 20.00 Uhr, in der Ratsschänke festgelegt.

 

Bild Gründerunterschriften

 

Gründungsversammlung des „Lüneburger Angelsportvereins von 1923“

 

Bild Gründungsprotokoll

 

Wie bereits in der ersten Monatsversammlung am 5.3.1923 ein Anstieg der Mitgliederzahl zu verzeichnen war, so konnte auch in den nächsten Monatsversammlungen ein stetiger Zuwachs an Mitgliedern gemeldet werden. Die Sorgen, Angelmöglichkeiten für die Mitglieder zu schaffen, Gewässerpachtungen abzuschließen und nicht zuletzt die Verbesserung und Förderung der anglerischen und fischereilichen Maßnahmen einzuleiten, standen an und mussten angefasst werden. Das Beitragsaufkommen bei einem Monatsbeitrag von 100,-- Mark und die ständige Geldentwertung in dieser Zeit brachten besondere Schwierigkeiten und setzten Grenzen bei den geplanten Arbeiten und angestrebten Zielen. Wenn es dennoch durch die besonderen Leistungen des Vorstandes im ersten Jahr möglich war, vergünstigte und gute Angelmöglichkeiten an der Elbe – Strecke FG Hohnstorf – und an der unteren Ilmenau – Strecke Bardowicks, Bardowick - für alle Mitglieder zu bekommen, so war das nur auf ein Entgegenkommen unserer Fischerfreunde zurückzuführen.

 

Unsere erste Vereinssatzung, die vom Vorstand und einer Kommission ausgearbeitet wurde, konnte bereits auf einer außerordentlichen Versammlung am 23. März 1923 beschlossen, gedruckt und 10 Tage später allen Mitgliedern übergeben werden.

 

Bild Satzung LAV

 

Zur Förderung der Kameradschaft und Geselligkeit wurde auf Beschluß der Monatsversammlung vom 1.5.1923 am 13.5.1923 im neuen Vereinsheim „Heßling“, Grapengießerstr., der erste Kameradschafts­abend des Vereins abgehalten. Von diesem Abend wird nur Gutes berichtet.

Hervorzuheben ist die von den Vereinskameraden als Berufsmusiker hier erstmalig mitwirkende Vereinskapelle, die viel zum Gelingen dieses Abends beigetragen hat. Abschließen möchte ich das Gründungsjahr des Vereins mit einem Auszug aus dem Protokoll der Generalversammlung vom 16.2.1924, die im Restaurant Heßling stattfand.

 

„Hierzu ein Hinweis: Das Inflationsjahr 1923 lag hinter uns. Mit Einführung der Goldmark stabilisierte sich das Wirtschafts- und Vereinleben.“

 

Jahres- und Kassenberichte 1923 werden kurz angesprochen. Das Jahr 1924 soll unter hoffnungsvollen Aussichten weitere Verbesserungen für den Verein bringen. Der Vorstand bleibt wie er besteht weiter im Amt. 7 Mitglieder werden neu aufgenommen. Bedeutungsvoll für die 31 Versammlungsbesucher, der Besuch und der Vortrag des 1. Präsidenten des Deutschen Anglerbundes, Herr Laue, Hannover, der zugleich als geschäftsführender Vorsitzender des Provinzialfischereivereins Hannover für den Beitritt des Vereins in beide Verbände wirbt. Der Vortrag Laue’s findet guten Widerhall bei den Anwesenden. Nach Klärung einiger Unklarheiten und nach der Regelung der Mitgliederbeiträge (8,-- GM jährlich) wird der Beitritt des Vereins in beide Spitzenverbände einstimmig beschlossen. Durch diese Mitgliedschaft erhalten alle Mitglieder des Vereins die Deutsche Anglerzeitung als Verbandsorgan zugestellt. Besondere Kosten hierfür entstehen nicht. Vereinsberichte und besondere Hinweise der Vereine werden kostenlos veröffentlicht. Mit dieser Mitgliedschaft findet der Lüneburger Angelsportverein Anschluß an die große Anglerfamilie, der sich für die Folgezeit fördernd und erfolgreich für den Angelsport und für den Verein auswirkt. Die Zugehörigkeit soll sich bei allen Mitgliedern durch das Tragen der Bundes-Anstecknadel erkenntlich machen. Den Vereinsmitgliedern wurde das Tragen der Bundesnadeln bei allen Vereinsveranstaltungen und beim Angeln zur Pflicht gemacht.

 

Das Jahr 1924 brachte neben einigen Veränderungen im Vorstand: 1. Vorsitzender wurde für E. Rademacher Julius Reuter, 2. Kassierer J. Lange, 2. Vorsitzender für G. Höffgen Willi Anhalt und 2. Schriftführer F. Dreyer. neue Angelmöglichkeiten für die Mitglieder. Neben der Elbstrecke Hohnstorf und der Ilmenaustrecke Bardowick wurden die Ilmenaustrecke Stadtgebiet und die Ilmenaustrecke A. Schröder (heute Eigentumsfischerei des Vereins) zu tragbaren Erlaubnisscheingebühren ausgehandelt. Hierzu kamen die Abschlüsse der Pachtverträge A. Grete, Elbstrecke Bleckede und Peter Dittmer, Fischhausen, Nordenwasser bei Echem. Mit diesen Pachtungen besaß der Verein für 12 Jahre eigene Fischereirechte. Zum weiteren Ausbau der bestehenden guten und kameradschaftlichen Verhältnisse wurde der Verein Mitglied im Hauptfischereiverein Lüneburg, in dem die Elb- und Binnenfischer zusammengeschlossen waren. Der Verein hatte von nun an auch einen Anglerkönig, der erste des Vereins wurde Willi Anhalt.

 

Mit der Generalversammlung am 5. Februar 1925 im Vereinslokal Heßling wurde nach Abschluß eines erfolgreichen Jahres 1924 ein neues Geschäftsjahr eingeleitet. Der Vorstand wurde mit Willi Rieckhoff (1. Vorsitzender), Julius Reuter (1. Kassierer), F. Dreyer (1. Schriftführer), W. Anhalt (2. Vorsitzender), O. Gülicher (2. Kassierer) und J. Lüchow (2. Schriftführer) gewählt. Durch den Tod des 1. Kassierers, J. Reuter, übernimmt der 2. Kassierer Otto Gülicher im April dieses Amt. 2. Kassierer wird H. Wichmann. Für den ausgeschiedenen langjährigen und verdienstvollen 1. Vorsitzenden W. Rieckhoff wird in der Versammlung am 6.8. Walter Mink gewählt. Dieser Vorstand bleibt mit einer Veränderung des 1. Kassierers – ab 1930 A. Wreide und ab Juli 1931 Karl Neunert – bis 1932 im Amt und leistet in diesen Jahren unter der bewährten Leitung von Walter Mink gute Vereinsarbeit. Die Kassenverhältnisse sind ausgeglichen.

 

Bild Hohnstorf 1925