1972-1994

Am 30.1.1972 wurde als 1. Vorsitzender des Vereins Gisbert Höffgen gewählt, der bereits 10 Jahre erfolgreich im Vorstand tätig war. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein 450 Mitglieder und der Kauf des Teichgeländes in Deutsch Evern stand an.


Der Name Höffgen, er war im ersten Vorstand des Vereins vertreten und stand nach fast 50 Jahren wieder, jetzt an erster Stelle der Vorstandsliste (es sollte eine lange und erfolgreiche Vorstandsarbeit werden).

 

Bild G. Höffgen, An der Brausebrücke

 

Wie bereits erwähnt wurde auf der Jahreshauptversammlung vom 30.1.1972 der Antrag des Vorstandes (Kauf des Grundstückes Riggert (10 Teiche) in Deutsch Evern) von den anwesenden Mitgliedern angenommen. Ein Jahr später lag die Eintragung in das Grundbuch vor und im September 1973 erteilte der Landkreis die Baugenehmigung für die Ausbauarbeiten. Erst im September 1974 konnte der 1. Vorsitzende G. Höffgen den Vereinsmitgliedern die Fertigstellung der Teiche bekanntgeben. Doch auch jetzt waren noch Restarbeiten am Umlaufgraben notwendig.

 

Das letztlich mit viel Arbeitseinsatz und Zeitaufwand entstandene Teichgelände Deutsch Evern stellt heute einen wertvollen Besitz dar, den es zu erhalten gilt.

 

Auch das Jahr 1973 begann mit einer wichtigen Entscheidung. Die bestehende Satzung und die Gewässerordnung mußten überarbeitet und sollten neu gedruckt werden. Höhepunkt dieses Jahres aber wurde die Ausrichtung der Feier zum 50-jährigen Bestehen des LAV. Aus diesem Anlaß wurde in Verbindung mit dem Königsball am Sonnabend, den 1. September 1973 im Lüneburger Schützenhaus ein Stiftungsfest gefeiert. Dieses Fest hatte viele Attraktionen und war gut besucht.

 

Ferdinand Dreyer, ein Mitbegründer des Lüneburger Angelsportvereins von 1923 verfaßte eine Aufstellung der 50-jährigen Vereinsgeschichte. Er war von 1924 bis 1933 1. Schriftführer des Vereins und von ihm wurde am 5.2.1925 das erste Protokollbuch angelegt. Durch sein umfangreiches Detailwissen und seine Verbundenheit mit dem LAV entstand ein sehr informativer Rückblick. Am Schluß seiner Ausführungen hob F. Dreyer die erfreuliche Entwicklung des Vereins hervor und erinnerte an einige Wegbegleiter und Mitstreiter:

 

Karl Brüggemann, der 30 Jahre als Vorsitzender und zumeist als Kassierer mit viel Begeisterung dabei war; Wilhelm Ossenkop, der als Gewässerwart über 25 Jahre unermüdlich tätig war; Ernst Meyer, der als Schriftführer über 20 Jahre (1935 bis 1956) gewirkt hatte sowie Dieter Lüchow (ein Name, der im Verein Tradition hat), der viele Jahre Vorstandsämter ausgefüllt hatte.

 

Im Januar 1974 konnte der Pachtvertrag "Teichanlage Ochtmissen" mit der Stadt Lüneburg um 12 Jahre verlängert werden. Im selben Jahr wurde auch mit dem Verpächter Lachnicht eine neue Pacht seiner Ilmenaustrecke Grünhagen - Hohenbostel bis 1985 vereinbart.

 

Bild Protokollbuch

 

Auf einer außerordentlichen Vorstandssitzung teilte der 1. Vorsitzende Gisbert Höffgen am 26.3.1979 den Vorstandsmitgliedern den Kauf der Medinger Strecke (Kaufpreis 58.000,-- DM) mit. Die Verhandlungen mit dem Eigentümer Hintze waren sehr schwierig und fanden letztlich nur durch einige Einschränkungen für das Angeln an der Medinger Strecke einen positiven Abschluß.

 

Mit einem Rundschreiben wurden die Mitglieder des Vereins zu einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen. Am 8.4.1979 eröffnete G. Höffgen die Versammlung im Schützenhaus und bat unter TOP 1 die Versammlung um die Zustimmung für den bereits abgeschlossenen Kauf der Strecke Bruchtorf - Medingen. Das Einverständnis der Mehrheit und lang anhaltender Beifall machten deutlich, dass die anwesenden Mitglieder den kauf durch den geschäftsführenden Vorstand begrüßten. Im folgenden Tagesordnungspunkt 2 wurde eine Umlage (50,-- DM Senioren und 25,-- DM Junioren/Rentner) beschlossen, die einen Teil des bar gezahlten Kaufpreises ausgleichen sollte.

 

Auf der Jahreshauptversammlung am 4. März 1984 wurde durch Satzungsänderung das Eintrittsalter in die Jugendgruppe vom 12. auf das 14. Lebensjahr geändert. Auch die Einführung einer Angelsperre für nicht termingerechte Abgabe der Angelpapiere fand die Zustimmung der anwesenden Mitglieder.

 

Mitte der 80er Jahre konnte der Pachtvertrag für die Hellmann’schen Teiche in Ochtmissen wiederum verlängert werden. die erneute Pachtung der Ilmenaustrecke Grünhagen – Hohenbostel war jedoch aufgrund neuer Eigentumsverhältnisse nicht unmittelbar möglich und konnte trotz intensiver Bemühungen des Vorstandes nicht mehr realisiert werden. Auch der Rechtsweg brachte keine Wende zugunsten des LAV. Daher musste Der Vorstand des Lüneburger Angelsportvereins e.V. zu Beginn der Angelsaison 1988 seinen Mitgliedern leider folgendes mitteilen: Die Ilmenaustrecke Grünhagen – Hohenbostel (Lachnicht-Strecke) ist bis auf Widerruf ab 01. Januar 1988 für jegliches Angeln gesperrt. Zwei Jahre später gingen die Fischereirechte dieses Teilstückes endgültig an die Sportanglerkameradschaft.

 

Ende 1989 wurden die bestehenden Aaltreppen an Abts- und Ratsmühle durch neue Fischtreppen (von W. Bruns entwickelte „Fischpaß-Gerinne“) ersetzt. Die seit Jahren vom Verein geforderte Aufstiegsmöglichkeit aller Wanderfische wurde Wirklichkeit. Ein Sonderprogramm des Landes Niedersachsen, das eine Förderung von bis zu 70% zuließ und die im Haushalt der Stadt Lüneburg verfügbaren Mittel ermöglichten mit entsprechender finanzieller Beteiligung der Vereine LAV und Sportanglerkameradschaft den Einbau der beiden Fischtreppen. Der Erfolg blieb nicht aus, gut ein Jahr später konnten bereits wieder die ersten Meerforellen in der oberen Ilmenau gefangen werden.

 

Seit dem Bestehen des Vereins wurde viel Zeit und Geld für die Reinhaltung der Gewässer sowie für die Hege und Pflege des Fischbestandes aufgewendet. Durch Änderungen der Natur- und Tierschutzgesetze spielt die Ökologie an den Bächen und Flüssen eine immer größere Rolle. Die Vereine sind gehalten, die biologische Vielfalt und den natürlichen Zustand des Lebensraumes Gewässer zielgerichtet nach ökologisch begründeten Erkenntnissen entweder zu erhalten oder wieder herzustellen.

 

Um dieses zentrale Anliegen in Zukunft besser umsetzen zu können, wurde auf der Jahreshauptversammlung am 4.3.1990 eine „Natur- und Umweltschutzgruppe“ gegründet. Die neue Arbeitsgruppe soll in erster Linie durch Anpflanzungen und andere Maßnahmen verbesserte Lebensbedingungen für Vögel und Amphibien schaffen. Negative Eingriffe wie das Begradigen von Zulaufbächen, speziell an der Ilmenau, gelte es zu verhindern bzw. rückgängig zu machen. Auch der praktische Umweltschutz sollte nicht zu kurz kommen. Auf Initiative der Natur- und Umweltschutzgruppe fand am Sonntag, den 2. Juni 1991 der erste Umwelttag des LAV am Elbe-Seitenkanal in Scharnebeck statt. Am Ende der Aktion türmten sich 26 Müllsäcke mit Papier, Glas, Kunststoff und Blechdosen zu einem beachtlichen Berg.

 

Mit der Pachtung des Melbecker Baches 1991 wurde ein wesentlicher Schwerpunkt in der Arbeit der von Christina Glanz geleiteten Arbeitsgruppe gesetzt. Anfangs war der Bach auf einer Länge von vier Kilometern fast biologisch tot, ein Erbe der Embsener Chemiewerke. Nach der Schließung der Werke und der von Land, Landkreis und einem Sponsor angebrachten Sohlgleiten verbesserten sich die Wasserqualität und der biologische Zustand des Melbecker Baches erkennbar. Durch regelmäßige biologische und chemische Gewässeruntersuchungen, von der Natur- und Umweltschutzgruppe durchgeführt, konnten diese Verbesserungen nachgewiesen werden. Eine Zunahme des Nährtieraufkommens gab Hoffnung für eine erfolgreiche Wiedereinbürgerung von Meerforellen und auch Lachsen. So wurden in der Folgezeit verstärkt Meerforellen- und Lachsbrütlinge im Melbecker Bach eingesetzt und ihr Wachstum durch Elektrofischerei in geeigneten Abständen kontrolliert. Gleichzeitig erfolgte durch die Arbeitsgruppe eine Bestandsaufnahme aller Fische sowie die Umsetzung großer Laich- und Bruträuber in die Ilmenau.

 

Die Bemühungen des Vorstandes, vorhandene Angelmöglichkeiten für die Mitglieder zu erhalten und neue zu schaffen, wurden 1993 belohnt. Zunächst gelang der Kauf der Angelrechte von Peter Dittmer. Kurz danach konnten die ehemaligen Sewig’schen Teiche in Bienenbüttel für den LAV als künftige Vereinsgewässer gekauft werden. An der Umgestaltung und Herrichtung dieses Teichgeländes war Wilhelm Quentin mit vielen ehrenamtlichen Helfern maßgeblich beteiligt.

 

Daß der Verein mit der Ilmenau den fischreichsten Nebenfluß in Niedersachsen hat, ergab eine Bestandsaufnahme des Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie 1994. Diese Studie belegte eindrucksvoll wie wertvoll dieses Gewässer für unseren Verein ist und daß die bisher geleistete Arbeit an Hege und Pflege sich positiv auswirkt. Insgesamt wurden 44 verschiedene Arten Süßwasserfische in der Ilmenau vorgefunden.

 

Ein tragischer Unfall unterbrach jäh die langjährige und verdienstvolle Arbeit des 1. Vorsitzenden. Am 13.11.1994 verunglückte Gisbert Höffgen mit dem Fahrrad so unglücklich, dass er seine Aufgaben im Verein nicht mehr wahrnehmen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war G. Höffgen bereits 22 Jahre 1. Vorsitzender des Vereins (eigentlich sollten es 30 Jahre werden, wie er immer sagte), darüber hinaus von 1966 bis 1972 1. Schriftwart und davor seit 1963 Sportwart.

 

Sein Geschäft An der Brausebrücke und ab 1989 Am Werder war als Geschäftsstelle des LAV für viele Vereinsmitglieder ein wichtiger Treffpunkt. Nicht nur die Verlängerung der Angelpapiere, die Ausgabe von Gastscheinen, sondern auch die Klärung anderer Probleme rund um das Angeln waren in der Geschäftsstelle möglich, da G. Höffgen fast immer persönlich anwesend und ansprechbar war.

 

Im Dezember übernahm Rolf Muhme, seit 1991 1. Schriftführer, kommissarisch die Aufgaben des 1. Vorsitzenden. Damit verbunden war auch ein vorübergehender Wechsel der Geschäftsstelle in die Hindenburgstraße. Da Ende 1995 G. Höffgen weiterhin schwer erkrankt war und es vorherzusehen war, dass er seine Amtsgeschäfte nicht wieder aufnehmen konnte, wurde in dem neuen Anbau der Fahrschule Siemens-Muhme in der Hindenburgstraße ab 1.1.1996 eine ständige Geschäftsstelle eingerichtet. dieser Raum wurde vom LAV angemietet, wie auch schon seit 1993 eine Garage für die Vereinsgerätschaften.

 

Bild Teufelsbrücke